Technik7 Min. LesezeitSeptember 2026

Software wechseln:
Die Brücke ist eine Datei.

Der Wechsel scheitert selten am Kopieren und fast immer an einer Erwartung: dass die Arbeit von Jahren mitkommt. Ein Teil kommt mit, ein Teil sieht so aus, als käme er mit, und ein Teil bleibt zurück. Der Unterschied lässt sich vorher wissen.

Kurz gesagt

Zwischen zwei DJ-Programmen gibt es keinen Umschalter, sondern eine Datei als Brücke: ein Inhaltsverzeichnis der Sammlung. Mit hinüber kommen die Dateien und die Listen. Was ein Programm selbst errechnet hat — Beat Grid, Cue-Punkte, Loops — kommt bestenfalls als Zahl an und sitzt nicht zwingend richtig.

Warum es keinen Umschalter gibt

Eine Musikdatei enthält Ton und ein paar Textfelder — Titel, Interpret, manchmal ein BPM-Feld. Alles, was ein DJ-Programm darüber hinaus weiss, steht in seiner eigenen Datenbank: wo der Beat Grid liegt, wo deine Cue-Punkte sind, welche Loops du gesetzt hast. Diese Datenbank ist das Herz des Programms und gehört ihm allein.

Deshalb führt der Weg über ein Austauschformat: rekordbox stellt seine Sammlung als rekordbox-xml bereit und liest Wiedergabelisten aus einer solchen Datei wieder ein; Serato DJ Pro kann eine iTunes-Bibliothek samt Listen übernehmen. Man wechselt also nicht von Programm zu Programm, sondern von Programm zu Datei zu Programm — und was die Datei nicht beschreibt, kommt nicht an.

Was mitkommt — und was nicht

Die Faustregel: Was du selbst getippt hast, kommt mit. Was das Programm errechnet hat, kommt bestenfalls als Zahl.

WasKommt es mit?Warum
Die MusikdateienJa — sie gehören dir, nicht dem ProgrammSie liegen in Ordnern und werden vom Umzug gar nicht angefasst. Das ist der einfache Teil.
WiedergabelistenJa, wenn das Zielprogramm das Format liestSie stehen in der Austauschdatei. Voraussetzung: Die Ordner heissen danach noch genauso.
Titel, Interpret, GenreJa — das steht in der Datei selbstDiese Felder gehören zur Musikdatei und nicht zur Programm-Datenbank. Sie überleben jeden Wechsel.
Beat-Grid und BPMNein, es wird neu gerechnetJedes Programm analysiert nach eigenen Regeln. Bei geradem Vier-Viertel-Material fällt das kaum auf, bei allem anderen schon.
Cue-Punkte und LoopsBestenfalls als ZahlSie hängen am Beat-Grid des alten Programms. Kommt das Grid anders, sitzen sie daneben — auch wenn die Position mitgekommen ist.

Die eine Regel: nichts löschen, bis der erste Gig gelaufen ist

Der teuerste Fehler beim Wechsel ist Aufräumen. Wer das alte Programm deinstalliert, sobald das neue läuft, verliert den einzigen Ort, an dem noch steht, wie es vorher war — und die Lücken zeigen sich erst über Wochen, beim ersten Track, den man lange nicht gespielt hat.

Dasselbe gilt für die Ordnerstruktur: Die Austauschdatei beschreibt Pfade. Wer nach dem Export Ordner umbenennt oder verschiebt, macht sie wertlos, und zwar lautlos — der Import meldet dann einfach Tracks, die es angeblich nicht gibt.

Der Umzug, Schritt für Schritt

Sechs Schritte. Der erste und der letzte sind die, die man weglässt — und genau sie retten den Umzug.

1

Vorher eine Sicherung anlegen, die nichts mit dem Umzug zu tun hat

Die Musikdateien selbst auf eine zweite Platte, und zwar bevor irgendein Programm etwas anfasst. Ein Umzug schreibt in Datenbanken; wenn dabei etwas schiefgeht, willst du eine Kopie haben, die kein Programm kennt.

2

Aufräumen, bevor du umziehst

Ein Umzug ist die einzige Gelegenheit, in der das Aussortieren nichts extra kostet: Was du jetzt löschst, musst du nicht übertragen und danach nie wieder ansehen. Doppelte Dateien und tote Verweise gehören vorher weg, nicht nachher.

3

Die Bibliothek als Datei ausgeben

rekordbox kann seine Sammlung als rekordbox-xml-Datei bereitstellen und Wiedergabelisten aus einer solchen Datei wieder einlesen. Diese Datei ist der Übergabepunkt: Sie beschreibt, welche Tracks es gibt und wie sie in Listen liegen.

4

Im Zielprogramm importieren, was es lesen kann

Serato DJ Pro kann laut Handbuch eine iTunes-Bibliothek einlesen und deren Wiedergabelisten verfügbar machen. Welche Formate dein Zielprogramm annimmt, entscheidet den Weg — es gibt keinen allgemeinen Umschalter zwischen zwei DJ-Programmen.

5

Fünf Tracks gegenprüfen, bevor du dich darauf verlässt

Nimm fünf Tracks, die du auswendig kennst, und sieh im neuen Programm nach: Liegt der Beat Grid richtig, sind die Cue-Punkte da, stimmt die Tonart? Was hier fehlt, fehlt bei allen — und du merkst es lieber jetzt als in der Kanzel.

6

Das alte Programm noch einen Monat behalten

Nicht deinstallieren, nicht aufräumen. Ein Umzug fällt selten sofort auf, sondern beim ersten Track, den du seit Monaten nicht gespielt hast. Solange das alte Programm steht, ist jeder Fund eine Kleinigkeit statt ein Verlust.

Fünf Fehler beim Wechsel

Ordner nach dem Export umbenennen

Die Austauschdatei beschreibt Pfade. Wer danach aufräumt, macht sie lautlos wertlos — der Import meldet dann Tracks, die es angeblich nicht gibt.

Das alte Programm sofort deinstallieren

Die Lücken zeigen sich über Wochen, nicht am ersten Abend. Solange das alte Programm steht, ist jeder Fund eine Kleinigkeit.

Mitten zwischen zwei Gigs wechseln

In der Kanzel bedient man sein Werkzeug blind. Wer gerade umgezogen ist, tut das nicht — und merkt es an der Stelle, an der es zählt.

Erwarten, dass die Cue-Punkte sitzen

Sie beziehen sich auf ein Grid, das das neue Programm anders legt. Bei den zwanzig Tracks, die du wirklich spielst, ist Neusetzen schneller als jede Bastellösung.

Vor dem Umzug nicht aufräumen

Doppelte Dateien und tote Verweise wandern sonst mit und sind danach doppelt so mühsam. Ein Umzug ist die einzige Gelegenheit, bei der Aussortieren nichts extra kostet.

Bevor du das alte Programm löschst

Fünf Punkte. Wenn einer offen ist, bleibt das alte Programm stehen.

  • Eine Sicherung, die kein Programm kennt

    Die Musikdateien auf einer zweiten Platte, vor dem ersten Schritt.

  • Fünf bekannte Tracks gegengeprüft

    Grid, Cues, Tonart — was hier fehlt, fehlt überall.

  • Ein Abend zuhause komplett durchgespielt

    Nicht angesehen, gespielt. Vorhören, Loop, Effekt, Aufnahme.

  • Die Ordnerstruktur unverändert

    Seit dem Export nichts umbenannt und nichts verschoben.

  • Ein Gig ist gelaufen

    Erst danach darf das alte Programm weg.

⚠️ Die belegten Sätze hier stammen aus den Handbüchern von rekordbox und Serato DJ Pro. Für Traktor liegt in unserem Quellenarchiv kein Handbuch mit einem Bibliotheks-Kapitel — was dort geht, steht deshalb bewusst nicht auf dieser Seite. Wir schreiben lieber, was wir nicht wissen, als eine Menüführung aus dem Gedächtnis.

Häufige Fragen

Was kommt beim Wechsel wirklich mit?

Verlässlich: die Dateien selbst und die Struktur der Wiedergabelisten, sofern das Zielprogramm das Austauschformat liest. Wackelig: alles, was ein Programm SELBST errechnet oder gesetzt hat — Beat Grid, Cue-Punkte, Loops, Tonart, Wellenform. Diese Angaben stehen in der Datenbank des alten Programms, nicht in der Musikdatei, und jedes Programm rechnet sie nach seinen eigenen Regeln.

Was ist diese XML-Datei überhaupt?

Ein Inhaltsverzeichnis deiner Sammlung. rekordbox kann seine Bibliothek als rekordbox-xml bereitstellen und Wiedergabelisten aus einer solchen Datei wieder einlesen. Die Datei enthält keine Musik — sie beschreibt, welche Tracks wo liegen und in welchen Listen sie stehen. Verschiebst du danach Ordner, zeigt sie ins Leere.

Gibt es keinen direkten Weg von einem Programm ins andere?

Einen allgemeinen nicht. Die Handbücher beschreiben jeweils, welche FORMATE ein Programm einlesen kann — Serato DJ Pro etwa eine iTunes-Bibliothek samt Wiedergabelisten. Der Weg führt also über ein Format, das beide kennen, und nicht über einen Knopf „von rekordbox importieren“. Wer so einen Knopf sucht, sucht lange.

Kann ich meine Cue-Punkte retten?

Rechne nicht damit. Cue-Punkte sind Positionen in Millisekunden, die dein altes Programm auf sein eigenes Beat Grid bezogen hat — legt das neue Programm das Grid anders, sitzen sie daneben, auch wenn die Zahl mitgekommen ist. Bei den zwanzig Tracks, die du wirklich oft spielst, ist Neusetzen schneller als jede Bastellösung; beim Rest merkst du es nie.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel?

Wenn drei Wochen lang kein Gig ansteht. Ein Umzug ist keine Stunde Arbeit, sondern eine Phase, in der du dein eigenes Werkzeug nicht mehr blind bedienst — und genau das braucht man in der Kanzel. Wer zwischen zwei Auftritten wechselt, spielt den zweiten mit halber Aufmerksamkeit.

Lohnt sich der Wechsel überhaupt?

Meistens weniger, als man hofft. Ein Wechsel löst genau die Probleme, die am PROGRAMM liegen — an der Hardware-Kompatibilität etwa oder an einer Funktion, die es dort wirklich nicht gibt. Er löst kein einziges Problem, das an der Sammlung oder an der Übung liegt. Die ehrliche Vorabfrage lautet deshalb: Was genau kann ich danach, das ich heute nicht kann?

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Ein Programm bedient man blind — oder gar nicht

Ein Programm blind zu bedienen ist der eigentliche Grund, warum ein Wechsel wehtut. Im Lernpfad steht die Phase zur Bibliothek bereit.

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