Was ein Pressekit ist — und was es nicht ist
EPK steht für Electronic Press Kit: die digitale Fassung dessen, was früher eine Mappe war. In der Praxis heißt das eine einzige Adresse — eine Unterseite deiner Website, ein öffentlicher Ordner, eine Seite bei einem der üblichen Anbieter. Was zählt, ist, dass ein Empfänger sie ohne Anmeldung, ohne Download und auf dem Handy öffnen kann.
Was es nicht ist: ein Anhang. Eine 40-MB-ZIP-Datei mit acht Fotos und drei Mixen im WAV-Format ist keine Bewerbung, sondern eine Aufgabe — und wer Aufgaben verschickt, bekommt keine Antwort. Ebenso wenig ist es eine Biografie: Dein Werdegang interessiert erst, wenn der Mix überzeugt hat.
Die vier Bausteine
In der Reihenfolge, in der ein Booker sie tatsächlich anfasst — nicht in der, in der sie sich am besten präsentieren.
| Baustein | Was genau | Warum zuerst das |
|---|---|---|
| Der Mix | 60 Minuten, direkter Link, Tracklist darunter | Der erste Klick. Wer hier nicht überzeugt, liest den Text nie — deshalb steht er ganz oben und nicht unter der Vita. |
| Das Foto | Querformat, hochauflösend, du beim Auflegen | Wird gebraucht, sobald jemand zusagt — für Plakat und Veranstaltungsseite. Fehlt es, fragt der Veranstalter nach, und das kostet beide Zeit. |
| Der Text | Drei bis fünf Sätze: wo, was, was anders | Orte, Genres und BPM-Bereiche statt Adjektive. Ein Booker sucht darin genau eine Information: Passt das in meine Nacht? |
| Die Technik | Was du mitbringst, was du brauchst — zwei Zeilen | Der Teil, den fast alle weglassen und der fast jede Rückfrage erspart. Planbarkeit ist ein Argument für dich, nicht gegen dich. |
| Kontakt | Eine Mailadresse, die du wirklich liest | Kein Formular, kein Direktnachrichten-Postfach mit Anfragefilter. Was nicht gelesen wird, ist keine Erreichbarkeit. |
Die eine Regel: ein Klick, kein Ordner
Alles, was zwischen der Nachricht und dem ersten Ton liegt, kostet dich Empfänger. Eine Anmeldeschranke, ein Download, ein Abspieler, der auf dem Handy nicht läuft — jede dieser Hürden halbiert die Zahl der Leute, die deinen Mix wirklich hören.
Deshalb steht der Mix zuerst und als direkter Link, nicht als Datei. Und deshalb ist die Nachricht selbst kurz: zwei Sätze, ein Link. Das Pressekit trägt die Details — die Nachricht trägt nur den Weg dorthin.
Pressekit in 5 Schritten
Einmal gebaut, hält es ein Jahr. Was sich ändert, ist der Mix — der Rest bleibt.
Einen Mix aufnehmen, der 60 Minuten trägt
Nicht der technisch sauberste, sondern der, der einen Bogen hat: Anfang, Mitte, Ende. Ein Booker hört selten durch — er hört Minute 1, Minute 20 und Minute 50. Alle drei müssen funktionieren.
Den Mix an EINE öffentliche Adresse legen
Ohne Anmeldung abspielbar, auf dem Handy, mit Tracklist darunter. Keine Datei, kein geteilter Cloud-Ordner, kein Link, der nach sieben Tagen abläuft.
Ein querformatiges Foto besorgen
Du beim Auflegen, Gesicht erkennbar, hochauflösend, ohne Logo darauf. Querformat, weil jede Veranstaltungsseite und jedes Plakat querformat denkt — ein Hochformatfoto muss beschnitten werden, und dann schneidet es jemand anders.
Drei bis fünf Sätze schreiben
Wo du spielst, was du spielst, was dich unterscheidet. Keine Adjektive über dich selbst — Orte, Genres, Zahlen. „Seit 2024 monatlich im X, House und Tech House zwischen 124 und 130 BPM“ sagt mehr als „leidenschaftlicher DJ mit Gespür für den Floor“.
Die Technik in zwei Zeilen dazuschreiben
Was du mitbringst und was du brauchst. Zwei Zeilen reichen: eigener Controller plus Kopfhörer, gebraucht werden zwei freie Kanäle am Mixer und ein Netzanschluss. Wer das dazuschreibt, erspart dem Veranstalter eine Rückfrage — und Rückfragen sind die Stelle, an der Bewerbungen versanden.
Fehler, die sofort aussortieren
Alles als Anhang
Eine ZIP-Datei mit Fotos und WAV-Mixen ist keine Bewerbung, sondern eine Aufgabe. Wer Aufgaben verschickt, bekommt keine Antwort.
Der Mix hinter einer Anmeldeschranke
Jede Hürde zwischen Nachricht und erstem Ton halbiert die Zahl der Leute, die ihn hören. Ein Link, der eine Anmeldung verlangt, wird nicht geklickt.
Vita statt Mix zuerst
Dein Werdegang interessiert erst, wenn der Mix überzeugt hat. Davor ist er der Grund, warum jemand das Fenster schließt.
Adjektive über sich selbst
„Leidenschaftlich“, „vielseitig“, „mit Gespür für den Floor“ — das schreibt jeder, also sagt es nichts. Orte und Zahlen sagen etwas.
Ein Link, der abläuft
Geteilte Cloud-Ordner und Übertragungsdienste verfallen. Ein Booker öffnet deine Nachricht vielleicht in drei Wochen — dann muss der Link noch leben.
Die Gegenprobe vor dem Abschicken
Öffne deine eigene Adresse auf dem Handy, im privaten Fenster, ohne angemeldet zu sein. Was dort nicht in dreißig Sekunden funktioniert, funktioniert auch beim Empfänger nicht.
Auf dem Handy geöffnet
Im privaten Fenster, nicht angemeldet. So kommt es beim Empfänger an.
Mix startet in unter 10 Sekunden
Vom Klick bis zum ersten Ton. Länger heißt: Er hört ihn nicht.
Tracklist sichtbar ohne Scrollen bis unten
Sie wird oft VOR dem Hören gelesen.
Foto lädt und ist querformat
Und liegt in einer Auflösung vor, die ein Plakat verträgt.
Die Mailadresse ist eine, die du liest
Einmal selbst hinschicken und nachsehen, ob es ankommt.
Ein Pressekit ersetzt kein Können, und es ersetzt vor allem keinen Abend, an dem dich jemand spielen gesehen hat. Die meisten ersten Gigs entstehen nicht über eine Bewerbung, sondern über einen Menschen — das Pressekit ist das, was du schickst, nachdem das Gespräch stattgefunden hat. Wer es umgekehrt versucht, braucht deutlich mehr Versuche.
Häufige Fragen
Brauche ich als Anfänger überhaupt ein Pressekit?
Für den ersten Gig meist nicht — der kommt über Leute, nicht über Unterlagen. Sobald dich aber jemand fragt „schick mal was“, willst du nicht drei Tage basteln. Einmal gebaut, kostet es dich nur noch den aktuellen Mix.
Wie lang soll der Bewerbungsmix sein?
60 Minuten ist der Normalfall, weil es der kürzesten üblichen Spielzeit entspricht. 30 Minuten gehen, wenn der Bogen darin vollständig ist. Über 90 Minuten schadet nicht, wird aber nicht gehört — und ein Mix, den niemand zu Ende hört, sollte vorne stark sein, nicht hinten.
Muss eine Tracklist dabei sein?
Ja, und zwar nicht aus Höflichkeit: Sie zeigt einem Booker in zehn Sekunden, ob du in seine Nacht passt. Er liest sie oft vor dem Hören. Wer die Tracklist weglässt, verlangt fünf Minuten Zuhören für eine Information, die eine Liste in Sekunden liefert.
Mehrere Mixe für verschiedene Veranstaltungen?
Besser einer, der passt, als drei zur Auswahl. Wer drei anbietet, überlässt die Entscheidung dem Empfänger — und der entscheidet sich dann für keinen. Wenn du wirklich zwei Richtungen spielst, baue zwei Adressen und schicke je nach Anlass eine.
Soll ich meine Follower-Zahlen reinschreiben?
Nur wenn sie ein Argument sind. Eine kleine Zahl, die dasteht, wirkt schlechter als keine Zahl — und ein Veranstalter, dem Reichweite wichtig ist, sieht ohnehin selbst nach. Was stattdessen zieht: Orte, an denen du gespielt hast, und Daten, an denen man es überprüfen kann.
Was ist ein Technical Rider und brauche ich einen?
Es ist die Liste dessen, was du zum Spielen brauchst. Bei großen Namen sind das Seiten; bei dir sind es zwei Zeilen, und genau so gehört es ins Pressekit. Der Zweck ist nicht Anspruch, sondern Planbarkeit: Der Veranstalter soll vorher wissen, ob dein Gerät an seinen Mixer passt.
Erst spielen können
Das Material kommt vom Üben
Ein Pressekit ist schnell gebaut. Der Mix darin ist die Arbeit — und die fängt bei einem saubereren Übergang an, nicht bei einem besseren Foto.
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