Karriere9 Min. LesezeitAugust 2026

Die Gage:
Eine Zahl ist eine Begründung, keine Meinung über dich.

Die Frage kommt bei jedem irgendwann, meistens in einer Nachricht und meistens zu schnell: „Was nimmst du?“ Wer darauf nicht vorbereitet ist, nennt entweder zu wenig, um nicht unhöflich zu wirken, oder gar nichts und hofft, dass es sich klärt. Beides kostet — das eine Geld, das andere den Abend. Dieser Ratgeber sortiert, wovon eine Gage abhängt, wie man sie nennt und was man vereinbart, bevor man zusagt.

Kurz gesagt

Eine Gage ist keine Eigenschaft von dir, sondern eine Funktion aus fünf Grössen: Art der Veranstaltung, Länge des Slots, Zahl der Gäste, Aufwand mit eigener Technik und wie sicher der Veranstalter mit dir plant. Deshalb liegt dieselbe Person bei einer Hochzeit in einer völlig anderen Grössenordnung als im Club — und beides ist richtig. Wer eine Zahl nennt, nennt sie mit Begründung und ohne Entschuldigung: Slot, Aufwand, Anfahrt. Und wer umsonst spielt, tut das mit einem klaren Gegenwert im Blick — Reihe, Bühne, Aufnahme —, nicht mit der Hoffnung auf Sichtbarkeit. Die teuerste Verhandlung ist die, die man nicht führt.

Warum es keine Preisliste gibt

Zahlen aus dem Internet helfen selten, und der Grund ist nicht Geheimniskrämerei: Eine Gage hängt von Stadt, Anlass, Uhrzeit, Publikum und der Frage ab, ob du Technik mitbringst. Dieselbe Stunde Musik ist auf einer Firmenfeier ein anderes Produkt als in einem Club um drei Uhr nachts, und wer beide Zahlen vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Aufträge.

Was stattdessen hilft, ist eine eigene Rechnung. Nicht was andere nehmen, sondern was dieser Abend dich kostet: Anfahrt, Aufbauzeit, verlorener Sonntag, Verschleiss an Technik, die Stunden Vorbereitung, die niemand sieht. Das ist deine Untergrenze. Was darüber liegt, ist Verhandlung — und über deiner Untergrenze zu verhandeln ist etwas völlig anderes, als sie zu erraten.

Die fünf Grössen, aus denen eine Gage entsteht

Wer diese fünf benennen kann, hat eine Begründung statt einer Zahl — und eine Begründung lässt sich besprechen.

GrösseWas sie verändertWie du sie ansprichst
Art der VeranstaltungDer grösste Hebel überhauptPrivatfeier, Firmenfeier, Club, Festival — vier verschiedene Märkte. Frag zuerst danach, bevor du über eine Zahl nachdenkst.
Länge und Lage des SlotsZwei Stunden Warm-up sind nicht vier Stunden HauptzeitNenn deine Zahl immer mit dem Slot zusammen. Sonst verhandelst du über eine Zahl, während der andere über eine andere Leistung spricht.
Eigene TechnikAnlage, Licht, Aufbau, Abbau, VersicherungDas ist eine eigene Leistung und gehört getrennt genannt — im Rider steht sie ohnehin schon. Sonst zahlt jemand für Musik und bekommt eine Spedition dazu.
Anfahrt und ZeitverlustDer Posten, den Anfänger vergessenZwei Stunden Fahrt sind zwei Stunden Arbeit plus Sprit. Nenn sie als eigene Position, dann kann der andere darüber entscheiden.

Wann kostenlos spielen etwas bringt

Umsonst zu spielen ist nicht grundsätzlich falsch — es ist nur fast immer falsch begründet. „Für die Sichtbarkeit“ ist kein Gegenwert, weil Sichtbarkeit nichts ist, was jemand liefern kann. Ein Gegenwert ist etwas, das nach dem Abend noch da ist: ein zweiter Termin in derselben Reihe, ein Mitschnitt, den du benutzen darfst, eine Bühne, die du sonst nicht bekommst, oder Fotos, die du brauchst.

Die zweite Hälfte ist zeitlich: Umsonst gehört an den Anfang, nicht in die Mitte. Wer nach zwei Jahren noch gratis spielt, hat den Übergang verpasst — und für den Veranstalter gibt es keinen Anlass, ihn von sich aus vorzuschlagen. Der Satz, der ihn einleitet, ist unspektakulär und wirkt: Ab dem nächsten Mal gern mit Gage.

Die Verhandlung in sechs Schritten

Diese Reihenfolge funktioniert im ersten Jahr genauso wie im fünften. Sie hat einen einzigen Zweck: dass am Ende beide Seiten dasselbe verstanden haben.

1

Frag nach dem Auftrag, bevor du rechnest

Datum, Uhrzeit, Slot-Länge, erwartete Gäste, wer die Technik stellt. Fünf Fragen in einer Nachricht — und danach weisst du, worüber ihr überhaupt redet.

2

Rechne deine Untergrenze aus

Anfahrt, Aufbau, Spielzeit, Vorbereitung, Verschleiss. Nicht was andere nehmen — was DICH dieser Abend kostet. Darunter sagst du ab, und zwar ohne schlechtes Gewissen.

3

Nenn die Zahl mit dem Slot zusammen

Nicht die Gage allein, sondern was sie umfasst: so viele Stunden, diese Uhrzeit, mit oder ohne eigene Technik. Dann verhandelt ihr über dasselbe.

4

Warte die Antwort ab

Nach der Zahl kommt nichts mehr von dir. Wer nachschiebt, verhandelt gegen sich selbst — und der andere hat noch gar nichts gesagt.

5

Bei zu wenig Budget: Leistung kürzen

Zwei Stunden statt vier, ohne eigene Anlage, ohne Anfahrt am selben Abend zurück. So bleibt dein Satz stehen und der Termin trotzdem möglich.

6

Schreib die Absprache in vier Zeilen

Datum, Zeit, Slot, Gage, Technik, Ansprechpartner. Wer einen Rider hat, hängt ihn an; wer keinen hat, braucht für kleine Abende auch keinen. Keine Rechtsprosa, eine Nachricht — nicht für den Streitfall, sondern damit es keinen gibt.

Die fünf Fehler, die Geld kosten

Die erste Zahl nennen, ohne den Auftrag zu kennen

Slot, Länge, Technik, Ort: Ohne diese vier Angaben ist jede Zahl geraten. Frag zuerst, dann rechne.

Sich für die Gage entschuldigen

Wer eine Zahl mit „ist das okay?“ beendet, hat sie schon zur Disposition gestellt. Nenn sie mit Begründung und lass den anderen antworten.

Umsonst spielen ohne Gegenwert

Sichtbarkeit kann niemand liefern. Ein zweiter Termin, ein Mitschnitt oder Fotos schon — und beides steht vor dem Abend fest oder gar nicht.

Alles mündlich lassen

Datum, Zeit, Slot, Gage, Technik, Ansprechpartner. Vier Zeilen in einer Nachricht ersparen die Diskussion, die sonst um zwei Uhr nachts stattfindet.

Nach unten gehen, statt etwas herauszunehmen

Wenn das Budget nicht reicht, kürz die Leistung — kürzerer Slot, keine eigene Technik. Wer nur den Preis senkt, senkt ihn dauerhaft.

Was hinter der Zahl noch kommt

Eine Gage ist verhandelt, wenn beide Seiten die Zahl kennen — bezahlt ist sie erst danach, und dazwischen liegt das Formale. Die fünf Punkte unten sind der Teil davon, der im Gesetz steht; jeder nennt den Paragrafen, aus dem er kommt. Das ist Orientierung und keine Rechtsberatung: Was in deinem Fall gilt, sagt dir dein Finanzamt oder eine Steuerberatung, und bei der Frage freiberuflich oder gewerblich sagen es dir ausdrücklich nur die.

Unter 25 000 € darfst du keine Umsatzsteuer verlangen

Die Kleinunternehmerregelung ist keine Wahl zwischen zwei Rechnungsarten: Liegt dein Gesamtumsatz im Vorjahr unter 25 000 € und im laufenden Jahr unter 100 000 €, ist dein Umsatz steuerfrei — du weist auf der Rechnung also keine Umsatzsteuer aus. Für die Verhandlung heisst das: Deine Zahl IST der Betrag, den der Veranstalter zahlt. Kein „plus Mehrwertsteuer“.

Eine Rechnung hat Pflichtangaben

Rechnung ist jedes Dokument, mit dem über eine Leistung abgerechnet wird — wie es überschrieben ist, spielt keine Rolle. Was drinstehen muss, steht in § 14 Absatz 4 UStG. Ein Zettel mit „Gage 400 €“ ist deshalb noch keine Rechnung, und der Veranstalter, der eine braucht, kommt damit nicht durch seine Buchhaltung.

Der selbständige Betrieb wird angezeigt

Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes anfängt, muss das der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen — das ist die Gewerbeanmeldung, und „gleichzeitig“ heisst beim Anfangen, nicht danach. Ob dein Auflegen ein Gewerbe in diesem Sinne ist, ist die Frage im nächsten Punkt.

Freiberuflich oder gewerblich — das entscheidet nicht die Selbsteinschätzung

§ 18 EStG zählt die „künstlerische“ Tätigkeit zu den freien Berufen, § 15 EStG regelt die Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Welcher der beiden auf einen DJ passt, sagt keiner der beiden Paragrafen — das entscheiden Finanzamt und Rechtsprechung im Einzelfall, und es hängt daran, wie viel eigene künstlerische Gestaltung in der Leistung steckt. Wer sich darauf verlässt, dass er „ja Künstler“ sei, verlässt sich auf eine Einschätzung, die nicht seine ist.

Die Künstlersozialkasse gibt es, und sie ist kein Zuschuss

Das Künstlersozialversicherungsgesetz und die damit beauftragte Künstlersozialkasse sorgen dafür, dass selbständige Künstler und Publizisten einen ähnlichen Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung geniessen wie Arbeitnehmer — so beschreibt die KSK ihren Auftrag selbst. Ob DU aufgenommen wirst und was das kostet, steht dort nicht; das klärst du mit der KSK, bevor du damit rechnest.

Woran du merkst, dass die Zahl passt

Es gibt keine Bestätigung dafür, richtig verhandelt zu haben. Diese vier Zeichen sind das, was es stattdessen gibt.

  • Du wirst wieder gefragt

    Das verlässlichste Zeichen. Wer zu teuer war, wird nicht wieder gefragt; wer zu billig war, wird gefragt und bleibt zu billig.

  • Es gibt keine Diskussion am Abend

    Wenn Gage, Slot und Technik vorher schriftlich standen, redet um zwei Uhr niemand darüber. Genau dafür war die Nachricht da.

  • Du sagst die Zahl, ohne zu zögern

    Die Sicherheit kommt nicht vom Betrag, sondern von der Begründung. Wer weiss, wie er auf die Zahl kommt, nennt sie ruhig.

  • Ein Nein tut nicht weh

    Wenn dich eine Absage nicht erschüttert, war die Zahl deine und nicht die des anderen. Das ist der eigentliche Gewinn dieser Übung.

⚠️ Ausdrücklich: Dieser Ratgeber nennt keine Zahlen, und das ist keine Zurückhaltung, sondern Ehrlichkeit. Gagen unterscheiden sich nach Stadt, Jahr, Genre und Auftrag so stark, dass jede Zahl hier für die meisten Leser falsch wäre — und eine falsche Zahl ist schlimmer als keine, weil sie als Anker wirkt. Was hier steht, ist die Struktur einer Verhandlung, nicht ihr Ergebnis; alles davon ist Erfahrung und als redaktionelle Einschätzung gekennzeichnet. Wer belastbare Zahlen für seine Stadt sucht, fragt drei DJs, die dort spielen — das ist die einzige Quelle, die es dafür gibt.

Häufige Fragen

Was verlangt man als DJ?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten, und jede Zahl, die es versucht, ist für die meisten Leser falsch. Was sich beantworten lässt, ist die Struktur: Art der Veranstaltung, Slot-Länge, Gästezahl, eigene Technik, Anfahrt. Wer diese fünf Punkte für seinen konkreten Abend durchrechnet, hat eine Zahl mit Begründung — und die ist mehr wert als jeder Durchschnittswert aus dem Internet.

Was nehme ich für meinen ersten bezahlten Gig?

Genug, dass der Abend dich nichts kostet, und wenig genug, dass die Frage nicht das Gespräch bestimmt. Rechne Anfahrt, Zeit und Vorbereitung zusammen — das ist deine Untergrenze. Wer beim ersten Mal null nimmt, obwohl Budget da ist, macht die zweite Verhandlung schwerer, nicht leichter.

Soll ich umsonst spielen?

Am Anfang ja, wenn es einen Gegenwert gibt, den jemand tatsächlich liefern kann: ein zweiter Termin in derselben Reihe, ein Mitschnitt, den du benutzen darfst, Fotos, eine Bühne, an die du sonst nicht kommst. „Für die Sichtbarkeit“ gehört nicht dazu — das kann niemand zusagen. Und es gehört an den Anfang, nicht dauerhaft in deinen Kalender.

Wie nenne ich die Zahl, ohne unangenehm zu wirken?

Mit Begründung und ohne Nachsatz. Ein Satz genügt: für diesen Slot, diese Länge, mit oder ohne eigene Technik, diese Summe. Danach nichts mehr sagen. Der häufigste Fehler ist nicht eine zu hohe Zahl, sondern der Halbsatz danach, der sie wieder aufmacht.

Was, wenn der Veranstalter weniger zahlen kann?

Dann kürzt du die Leistung, nicht den Preis. Zwei Stunden statt vier, ohne eigene Anlage, ohne Zusatzaufwand. So bleibt dein Satz derselbe und der Termin trotzdem möglich — und beim nächsten Mal verhandelt ihr nicht ab dem gesenkten Betrag.

Brauche ich einen Vertrag?

Für die meisten Abende reichen vier Zeilen in einer Nachricht: Datum, Zeit, Slot, Gage, wer die Technik stellt, wer vor Ort ansprechbar ist. Das ist keine Rechtsberatung und ersetzt bei grossen Aufträgen keinen richtigen Vertrag — aber es erledigt die Missverständnisse, an denen kleine Abende tatsächlich scheitern.

Jetzt lernen

Erst spielen können, dann verhandeln

Die beste Verhandlungsposition ist ein Abend, nach dem der Veranstalter von selbst fragt, wann du wiederkommst. Auf DJLearn lernst du das Handwerk dahinter — kostenlos und ohne Konto zum Ausprobieren.

Kostenlos starten

Begriffe auf dieser Seite

Kurz erklärt — jeder Begriff führt ins Glossar.

Quellen

Die zentralen Tatsachenangaben auf dieser Seite sind mit den unten aufgeführten Quellen belegt. Wie wir Quellen auswählen, steht unter Quellen & Redaktion.

Quellen (6)Geprüft 09/2026

Stand: 16.09.2026. Rechtliche Angaben sind eine allgemeine Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung — im Zweifel eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Urheberrecht fragen.