Warum überhaupt schriftlich
Nicht wegen des Ernstfalls, sondern wegen des Normalfalls. In den allermeisten Buchungen wird nie jemand den Text herausholen — sein Nutzen liegt im Aufschreiben selbst: Beim Formulieren fällt auf, was noch nicht besprochen ist. „Von wann bis wann?“ ist die Frage, die mündlich am häufigsten offenbleibt, und die, an der später am meisten hängt.
Die Form ist zweitrangig. Für ein Booking erfüllt eine E-Mail, die beide bestätigt haben, den Zweck vollständig: Sie ist datiert, sie ist nachlesbar, und sie liegt bei beiden. Ein Papier mit Unterschrift wirkt bei Firmenkunden souveräner und sagt inhaltlich nichts Zusätzliches. Wer anfängt, sucht sich nicht erst eine Vorlage — er schreibt die sechs Punkte in eine Mail.
Die sechs Punkte
Jeder verhindert einen Streit, den es sonst gibt. Mehr braucht eine normale Buchung nicht.
| Punkt | Was drinsteht | Welchen Streit es verhindert |
|---|---|---|
| Datum und Spielzeit | Von wann bis wann, nicht „abends“ | Der Punkt, der mündlich am häufigsten offenbleibt — und an dem später am meisten hängt. |
| Ort mit Adresse | Vollständig, inklusive Zufahrt | Verhindert die Suche nach dem Hintereingang mit dem Auto voller Technik. |
| Honorar und Fälligkeit | Betrag und wann er kommt | „Wird überwiesen“ ist kein Termin. Bar am Abend oder auf Rechnung — beides geht, unausgesprochen geht keins. |
| Wer stellt welche Technik | Eine Zeile: mitgebracht, gestellt, gebraucht | „Anlage ist da“ reicht von einer Club-PA bis zu zwei Regallautsprechern. |
| Aufbauzeit und Verpflegung | Ab wann du rein kannst, ob Essen dabei ist | Klingt nebensächlich und entscheidet, ob du vier Stunden ohne Pause spielst. |
| Absageregelung | Je näher am Termin, desto mehr bleibt | Der einzige Punkt, den man im Ernstfall nicht mehr verhandeln kann. |
Die Anzahlung schützt beide Seiten
Eine Anzahlung wirkt wie eine Forderung und ist in Wahrheit ein Bindungsmittel in beide Richtungen. Wer sie geleistet hat, sagt nicht leichtfertig ab — und wer sie erhalten hat, hält den Termin frei, statt auf eine bessere Anfrage zu warten. Genau das ist der Grund, warum du sie ruhig so erklären kannst: Sie sichert dem Kunden den Termin, nicht nur dir das Geld.
Praktisch gilt: Je weiter der Termin weg ist, desto wichtiger ist sie — bei einer Hochzeit in vierzehn Monaten hältst du sonst einen Samstag frei, der sich nicht wieder füllen lässt. Und die Absageregelung gehört in denselben Absatz: Je näher am Termin, desto mehr bleibt. Wer das VORHER vereinbart, muss es im Ernstfall nicht aushandeln.
Die schriftliche Zusage in 5 Schritten
Einmal formuliert, ist es für jede weitere Buchung eine Kopiervorlage.
Mündlich einig werden, dann sofort schreiben
Der Text ersetzt kein Gespräch, er hält es fest. Schreib die Mail direkt nach dem Telefonat, solange beide dieselben Zahlen im Kopf haben.
Die sechs Punkte in eine Mail
Datum und Spielzeit von/bis, Ort mit Adresse, Honorar und Fälligkeit, wer welche Technik stellt, Aufbauzeit und Verpflegung, Absageregelung. Mehr braucht eine normale Buchung nicht.
Die Absageregelung gleich mit vereinbaren
Je näher am Termin, desto mehr bleibt. Das VORHER zu klären ist der ganze Punkt — im Ernstfall verhandelt man es nicht mehr, man liest es nach.
Bestätigung einholen, nicht annehmen
Eine Mail, die niemand beantwortet hat, ist keine Zusage. Ein „passt so“ in der Antwort reicht völlig — aber es muss dastehen.
Anzahlung stellen, wenn der Termin weit weg ist
Bei einem Termin in Monaten hältst du sonst einen Samstag frei, der sich nicht wieder füllen lässt. Erklär sie als das, was sie ist: Sie sichert dem Kunden den Termin.
Fehler, die teuer werden
Auf die mündliche Zusage vertrauen
Nicht wegen Böswilligkeit, sondern weil zwei Menschen dasselbe Gespräch verschieden erinnern. Die Mail kostet fünf Minuten.
Keine Bestätigung einholen
Eine Mail, die niemand beantwortet hat, ist keine Zusage. Ein „passt so“ reicht — aber es muss dastehen.
Die Absage erst besprechen, wenn sie da ist
Dann ist einer von beiden enttäuscht, und das ist der schlechteste denkbare Zeitpunkt zum Verhandeln.
Eine fremde Vorlage übernehmen
Klauseln, die niemand gelesen hat, suggerieren Sicherheit statt sie zu geben. Sechs Punkte in eigenen Worten sind mehr wert.
Die Technikfrage offenlassen
Der teuerste unausgesprochene Punkt. Eine Zeile verhindert, dass du mit einem Controller vor zwei Regallautsprechern stehst.
Bevor du zusagst
Fünf Fragen, die im Gespräch zwei Minuten dauern — und die man hinterher nicht mehr stellen kann.
Spielzeit von/bis genannt
Eine Uhrzeit, keine Tageszeit.
Technik in einer Zeile geklärt
Mitgebracht, gestellt, gebraucht.
Fälligkeit des Honorars steht da
Bar am Abend oder auf Rechnung — nur nicht offen.
Absageregelung vereinbart
Vorher, nicht im Ernstfall.
Bestätigung liegt vor
Schriftlich, von der anderen Seite, datiert.
⚠️ Was diese Seite NICHT ist: eine Rechtsberatung. Ob eine Klausel wirksam ist, wie hoch ein Ausfallhonorar sein darf und was bei Krankheit oder höherer Gewalt gilt, hängt vom Einzelfall und vom Land ab — dazu liegt in unserem Quellenarchiv nichts, und eine plausible Vermutung richtet bei Recht den grössten Schaden an. Was hier steht, ist Erfahrungswissen darüber, welche Punkte man bespricht. Bei grösseren Summen, Firmenkunden oder einem echten Streit ist eine Anwältin das Geld wert, nicht ein Ratgeber.
Häufige Fragen
Brauche ich als Anfänger schon einen Vertrag?
Einen Vertrag im Sinne eines mehrseitigen Papiers: nein. Eine schriftliche Zusage: ja, ab dem ersten bezahlten Gig. Der Aufwand ist eine Mail mit sechs Punkten, und der Nutzen zeigt sich beim ersten Mal, wo jemand die Spielzeit anders in Erinnerung hat als du.
Wie hoch sollte eine Anzahlung sein?
Üblich ist ein Teil des Honorars, nicht das Ganze — genug, dass eine Absage wehtut, wenig genug, dass niemand zögert. Wichtiger als die Höhe ist, dass sie überhaupt vereinbart ist und dass klar ist, was bei einer Absage mit ihr passiert. Eine feste Zahl nennt diese Seite nicht: Sie hängt von Honorar, Vorlauf und Kundenart ab.
Der Kunde sagt zwei Wochen vorher ab — und jetzt?
Jetzt zeigt sich, ob die Absageregelung vereinbart war. War sie es, liest man sie nach und die Sache ist erledigt. War sie es nicht, verhandelt man in einem Moment, in dem einer von beiden enttäuscht ist — das ist der schlechteste denkbare Zeitpunkt. Genau deshalb steht der Punkt in der Liste oben.
Reicht wirklich eine E-Mail?
Für den Zweck, um den es hier geht — beide wissen dasselbe und können es nachlesen — ja. Sie ist datiert, sie liegt bei beiden, und sie entsteht in fünf Minuten. Ob sie im Streitfall vor Gericht trägt, ist eine andere Frage, und die beantwortet diese Seite nicht (siehe Hinweis unten).
Warum gehört die Technikfrage in die Zusage?
Weil sie am häufigsten unausgesprochen bleibt und am teuersten ist, wenn sie schiefgeht. „Anlage ist da“ kann alles heissen von einer Club-PA bis zu zwei Regallautsprechern. Eine Zeile genügt — im Booking-Alltag heißt diese Zeile Rider: was du mitbringst, was gestellt wird, und welche Anschlüsse du brauchst. Ein Rider ist bei einer normalen Buchung keine Forderungsliste, sondern genau diese eine Zeile.
Gibt es hier eine Vorlage zum Herunterladen?
Bewusst nicht. Eine Mustervorlage suggeriert Rechtssicherheit, die wir nicht prüfen können, und verleitet dazu, Klauseln zu übernehmen, die niemand gelesen hat. Die sechs Punkte oben sind die Substanz — in eigenen Worten formuliert sind sie mehr wert als ein fremdes Formular.
Vorher können
Ein Vertrag sichert den Abend, nicht das Set
Ein Vertrag sichert den Abend. Ob er gut wird, entscheidet, was du am Pult kannst.
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